100jähriger Kalender
Das Jahr der Venus
Venus ist ein schöner, weißglänzender Stern. Neben der Sonne und dem Mond sieht man sie am häufigsten. Sie vollendet alle Jahre einmal ihren Lauf um die Sonne. Ihrer Natur nach ist Venus feucht und warm, doch nicht so warm wie Jupiter. Sie gilt als weibisch, temperiert und in allen Aspekten gütig. Man nennt sie »fortuna minor«, das kleine Glück. Venus begünstigt ihre Schützlinge fast so gut wie Jupiter es tut, doch sind Venus-Naturen eher dem Müßiggang und den Wollüsten ergeben. Im menschlichen Körper sind ihr die Gebärmutter, die Nieren, die Geschlechtsorgane, die Brüste, die Kehle, Lenden, Leber und Geruchssinn zugeordnet.

Das Wetter
Das Venus-Jahr ist stets mehr feucht als trocken, wenn man das Jahr insgesamt betrachtet. Es ist zudem schwül und ziemlich warm.

Die vier Jahreszeiten
Frühling
Weil die Kälte des vorangegangenen Sonnen-Jahres ziemlich spät abklingt, gibt es einen späten Frühling. Er ist allezeit feucht, durchschnittlich warm und für alle Früchte günstig; bisweilen ist es aber auch so feucht, dass man nicht gut säen kann, insbesondere auf ohnehin nassen Böden. Später Frost ist kaum zu befürchten.
Sobald die Triebe groß genug sind, kann man die Schafe weiden lassen. Sie können auch länger auf den Wiesen bleiben als in anderen Jahren.

Sommer
Wenn die Nässe im Frühjahr nicht allzu groß und andauernd war, folgt im Venus-Jahr üblicherweise ein warmer, schwüler Sommer. In diesen seltenen Fällen wächst ein Spitzenwein. Es ist jedoch eher zu befürchten, dass viel Heu und Getreide auf den Feldern bleibt und verfault. Man sollte deshalb auch die Nachmittage von Feiertagen nutzen, um das Getreide einzubringen.
Wenn im Venus-Jahr ein dürrer Sommer herrscht, so wird darauf das Getreide teuer. Ein dürrer Sommer ist zu erwarten, wenn im Februar, März, April oder Mai eine Sonnenfinsternis zu beobachten war oder wenn im Jahr zuvor ein Komet erschienen ist.

Herbst
Der Herbst ist gewöhnlich warm und schön, er dauert aber nicht lange. Darum ist danach zu trachten, dass die Wintersaat bald eingebracht wird. Denn um Mitte November hält für gewöhnlich schon der Winter Einzug, und der Frost kann bis Weihnachten andauern.

Winter
Der Winter ist anfangs leidlich trocken, danach - besonders vom 12. Februar bis zum Winterende - sehr feucht. Es gibt überaus große Regengüsse, die den Häusern, Mensch und Vieh Schaden zufügen.
Merke: Obwohl die großen Wassergüsse nicht immer häufig vorkommen, ist dieser Winter doch stets warm und feucht.

Im Januar gar laue Lüfte wehen
Der Monat beginnt trüb und läßt nur wenig Schnee fallen. Bis zum 13. gar wechselhaftes Wetter mit wenig Sonnenschein. Vom 14. bis 24. große Wassermengen sich ergießen, welche tags als Regen, nächtens als Schnee herniedergehen. Ab 25. lichtes, aber kalt und windiges Wetter mit etwas Schnee, die letzten Tage bringen grimmige Kält'.

Im Februar zeiget der Winter sein kaltes Wetter
Zunächst hart und kalt die ersten vier Tage, sonnig und klares Winterwetter bis gegen den 12. danach Winde aus allen Richtungen und recht viel Schnee, trübe Wetter, teils linde, teils rauhe Lüfte für einige Tage. Vom 20. bis 27. immer wieder Regen, dann wieder schön'Wetter, welches verbleibet bis zum Ende.

Der März schicket Schneetreiben in die Lande
Zum Beginn fällt Schnee und es wehen heftige Winde, dann schneinet die Sonne, wie schon am 3. Tage. Wechselhaft bleibet es bis zum 11., trüb, windig und verregnet geht's bis zur Monatsmitte. Kaltes Wetter findet sich zum Ende des Monats wieder ein, ab dem 19. Schnee darniederfallet, welcher zum 25. nachlasset. Trübe geht der März zu End'.

Kalt und regnerisch grüßet der April
Beginnet der April mit vielem Regen, folgen ihm sogleich sonnige und warme Tage bis zum 12. doch am 13. macht der April, was er will. Gar wechselhaft geht es bis zum 23., Schnee, Regen, Sonne und Wind jeden Tag in stetem Wechsel, vom 24. an schönes Wetter, des Nachts jedoch frostkalt.

Rauh, windig und kalt beginnt der Mai
Viel Regen fallet die ersten Tage, vermischt mit Schnee.Vom 9. warm und trocken bis auf den 15., mit Kälte und Regen setzet am 16. der Frühling aus. Vom 26. an scheinet die Sonne angenehm warm und wärmet Mensch und Tier die Glieder, zum Ende des Maien zeiget er sich wieder kalt.
Eisheilige, für die vier Tage vom 11. bis 14. Mai: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius (am 15. Mai die "kalte Sophie"); oft Nachtfröste.

Gar nass und kalt dauert im Juni der Frühling an
Viel Regen fallet die ersten Tage bei grauem Himmel. Laue Lüfte ab dem 6., dann wird's schön, mild und sogar recht warm. Viel Regen dräut am 12., am 13. scheint die Sonne wieder und erquicket uns bis zum 21. des Monats. Am 22. und 23. regnet es ohne Unterlass und kühlet sich rasch ab, aber ab dem 25. feiert der Juni seinen Abschied heiter und trocken.

Wechselhaft zeiget sich der Juli
Zu beginn zeiget er sich trüb und regnerisch, doch schon am 4. folget viel Hitze und gar schönes wetter, welches bis zum 10., dann fallen die Regen einige Tage. Es folgen zehn Tage des schönsten Wetters, am 21. ziehen gar starke Unwetter auf mit schweren Regen. Auf schönes und beständiges Sommerwetter heißt es noch warten.

Mit wenig Sonne locket der August
Doch ist es warm und sehr schwül, Gewitter dräuen am Horizont. Ab dem 7. stellet sich sogar sonnig' und freundliches Wetter ein, am 9. regnet es. Tags darauf klart der Himmel wieder auf. Noch einmal schön'Wetter für 10 warme Tage, Donner und Blitz zeigen dann und wann ihre Kraft. der Himmel klart nicht mehr richtig auf, trüb und nass ist's bis zum Ende.

Voll Regenwolken beginnet der September
Merklich kühler wird es gegen den 5. herum, kräftiger Regen bis zum 8. anhält. Ganz plötzlich kommt der Sommer zurück und bringet zwei Wochen lang Sonne und ein herrlich' Wetter. Bis zum 24. dauert diese schöne Zeit, dann fallet wieder Regen von 28. an, der bis zum Ende bleibet.

Golden gehet der Oktober zu Ende
Reichlich Regen und frische Winde bringet der Herbst ins Land, erst vom 10. an noch einmal trocken, die Sonne lacht vom Himmel. Warme Winde und laue Lüfte bis zum 21., wohl einen Tag öffnen die Wolken ihre Schleusen und bringen reichlich Regen. Den 22. die Himmel hellen wieder auf und bleiben schön, bis gegen Ende des Monats Sonnenschein und wenig Regen.

Beständig gibt sich der November
Schön' hier zu Beginne, doch schon nach wenigen Tagen wird's trüb und nass, zum 5. kühlt es merklich ab und es regnet ohne Unterlass. Nass, kalt und nebelig gibt sich das Wetter bis zum Ende, wohl bringet der Regen schon einige Schneeflocken. Nur am 28. wärmet Sonne die Glieder, der 29. bringet schon die ersten kalten Tage und Nächt' ins Land.

Still gehet das Jahr mit grauem Gesicht
Der Dezember beginnet mit Regen ohne Unterlass, der dann in Schnee übergehet, kalt frieren die Nächte. Zum 6.klart der Himmel auf und milde Lüfte ergießen sich über die Lande, bis zum 20. wärmt täglich die Sonn' Herzen und Glieder. Große wolken ziehen dann auf und bringen zum weihnachttag' Kälte, aber nur wenig Schnee über's Land. Kein rechter Winter zeigt sich in diesem Monat, trüb' gehet das ganze Jahr zu Ende.

 

 
 
  Süderwalsede